Manna

Gefiltert nach Tag hunger Filter zurücksetzen

Satt geliebt

11. Oktober 2013, Mannablog

Kennst du das Gefühl, dass du etwas unbedingt haben möchtest, aber es einfach nicht geht?

Ich denke, besonders in Beziehungen kommt man mal in diese Situation. Wir sind Menschen und haben Ansichten und Vorhaben und wir können andere nicht manipulieren bzw. wenn wir es versuchen, dann zerstört das den Sinn einer freiwilligen Beziehung.

Ich glaube, besonders Frauen neigen dazu, enttäuscht zu sein, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie es sich von ihrem Partner wünschen oder wenn er andere Prioritäten setzt als sie. Ich habe neulich (von einem Mann!) gelesen, Männer seien notorisch auf sich selbst bezogen und egoistisch. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt. Aber es ist ja auch so, dass Frauen nicht besser sind. Nur dass sie ihren Egoismus womöglich an ihrem Partner anders auslassen – mit Konfrontation und Vorwürfen. Hinter diesen stecken meist Verletzungen oder die Unsicherheit, ob man (frau) sich sicher und geliebt fühlen kann und welchen (Stellen-)Wert der Partner der Frau in seinem Leben zuschreibt.

Was ich in Gesprächen und aus Ratgebern herauslese ist der Fakt, dass viele Dinge nicht wirklich auf die andere Person in böser Absicht abzielen. Ich bin der Überzeugung, dass es jedoch in vielen persönlichen Leben relativ feste Muster gibt, die man unbedingt verfolgen möchte. Dort ist vielleicht wenig Flexibilität vorhanden, liebgewordene Dinge sein zu lassen, etwas zu verpassen. Da werden Dinge wichtiger als Personen. Das Internet wird für manche wichtiger als der Zweck von Social Media, nämlich mit anderen Menschen leichter in Kontakt zu treten. Stattdessen driften Menschen teilweise weiter auseinander, weil sie sich auf diese „Krücke“ mehr verlassen als auf den anderen als reale Person.

Wenn Vertrauen herrscht, dann können wichtige Prioritäten auch wichtig bleiben. Gleichzeitig weiß ich, der andere vergisst mich nicht. Vertrauen sich selbst gegenüber bewirkt, dass ich Dinge bewusster entscheide und gestalte und nicht mich gestalten lasse, zum Beispiel von meiner Routine.

Letztlich ist es aus Sicht des Leidtragenden eine Frage der Geduld und der Wahrnehmung. Alles, was wir einander geben, ist ein Geschenk. Wir verschenken Zeit unseres Lebens, die nie wiederkommt. Sie macht sich in womöglich keiner offensichtlichen Weise bezahlt, aber sie zahlt einen guten Lohn auf das Beziehungskonto. Gehen wir von uns selbst aus und nicht vom anderen. Schauen wir auf die Wahrheit und lassen uns in Momenten, wo Dinge egoistisch scheinen, nicht von diesen Gefühlen bestimmen. Ich habe erlebt, dass der Blick auf die Wahrheit davon abhält, dass man sich zu sehr in eine Sache hinein steigert. Und wenn ich mich gar nicht erst in eine falsche Denke hineingesteuert habe, ist sie auch kein Teil meiner Erinnerung, auf die ich zurückgreife und in die ich zukünftige Verhaltensmuster meines Gegenüber unüberlegt stecken kann.

Über all diesen Dingen, die wir im Laufe unseres Leben lernen, stehen die Zusagen Gottes, dass wir ihm unendlich wichtig sind. Dieses Wissen und die tiefe Überzeugung dieser Liebe bewirkt, dass die Abhängigkeit von nicht-kontinuierlicher menschlicher Liebe schwächer wird. Ist ja auch logisch: wenn ein Mensch der Überzeugung ist, er wird konstant von jemandem geliebt, der die Liebe selbst ist, dann hat er nicht mehr den übermäßigen Drang, noch mehr Liebe zu bekommen.

Die Welt ist liebeshungrig. Willst du satt werden? 


Es klingelt an der Tür ...

08. Mai 2013, Mannablog

Ich überlege mir, ob ich richtig gehandelt habe? Gestern hat es an unserer Haustür geklingelt. Wir haben zwar eine Sprechanlage mit Kamera, denn man kann in der heutigen Zeit nicht vorsichtig genug sein. Aber in diesem Moment rechnete ich fest damit, dass die Nachbarin kommt, denn wir hatten uns zum „Geburtstag-Kaffee-Klatsch-meiner-Tochter“ verabredet, so schaltete ich das Gerät nicht an. Ich machte also fröhlich die Tür auf, aber siehe da, keine Nachbarin, auch kein bekannter Postbote oder Päckchenlieferant, sondern ein kleiner alter Mann, gekleidet in einer schmuddeligen Jacke und einem Hut. Er lächelte etwas und streckte mir seinen Ausweis und einen Zettel entgegen. Da ich vor einiger Zeit schon mal auf so einen Menschen hereingefallen war, bin ich vorsichtig geworden. Er kommt aus Russland und hat alles was er hatte verloren. Da wir in einem guten Sozialstaat wohnen weiß ich, dass Menschen versorgt und ihnen eine Unterkunft geboten werden. Ich dachte, der Mann möchte Geld haben. Nein, Geld gebe ich nicht, denn was macht er mit dem Geld? Alkohol kaufen um seinen Kummer zu vergessen? Vielleicht Zigaretten? Ich war total unsicher. Was geht in so einem Menschen vor, der an Haustüren klingelt um Ansprache zu bekommen. Ja, vielleicht wollte er nur ein bisschen unterhalten werden um den Tag sinnvoll zu gestallten. Ich wusste es nicht. Als ich dann zu verstehen gab, dass er nichts von mir bekommt, deutete er auf seinen Mund und gab mir zu verstehen, dass er Hunger habe. „Sie haben Hunger?“ fragte ich. Er nickte. Ich machte die Haustüre zu, lies den Mann kurz draußen stehen und ging in die Küche. Was packe ich jetzt ein? Der Kuchen und die Plätzchen standen bereits auf einem schön gedeckten Tisch. Ich nahm eine Vespertüte und packte einige Plätzchen ein. Die gab ich dann dem hungrigen Mann. Er freute sich und verabschiedete sich.

„Sie schrien zum Herrn in ihrer Not, der rettete sie aus der Todesangst. Er brachte sie auf den richtigen Weg und ließ sie zu menschlichen Siedlungen finden. Nun sollen sie den Herrn für seine Güte danken, ihn preisen für ihre wunderbare Rettung! Er hat den Verdursteten zu trinken gegeben und den Hungernden reiche Nahrung verschafft.“ (Psalm 107, 7 – 9)

Ich habe dem Mann keine reiche Nahrung verschafft, aber einen kleinen Leckerbissen. Als er dann weg war, dachte ich, dass ich ihm ja noch Banane und Apfel hätte geben können. Und eine Flasche Wasser wäre sicherlich auch gut bei ihm angekommen.

Das nächste Mal mache ich es besser!


To top

Nach oben