Manna

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Abschied nehmen und was bleibt dann?

19. März 2019, holger -

Zwei Menschen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis sind in diesem Monat verstorben und wurden am gleichen Tag beerdigt. Fast zur gleichen Uhrzeit, nur an unterschiedlichen Orten, so dass ich mich für eine Beerdigung entscheiden musste. Keine einfache Entscheidung, wem man da die letzte Ehre geben soll. 

Vorweg: beide Menschen waren im Rentenalter, haben jeweils eine längere Leidens- und Krankengeschichte hinter sich und trotzdem trennten beide Personen ganze zwei Generationen voneinander.

Meine Entscheidung beruhte auf dem intensiveren Kontakt in den letzten Jahren und trotzdem kannte ich von den Trauernden auf dem Friedhof fast niemanden. Ein paar Gesichter hatte ich kurz vorher im Krankenhaus das erst mal gesehen, als sich der Krankheitszustand noch einmal so deutlicher verschlechtert hatte und so dass es eigentlich keine Hoffnung auf Heilung mehr gab.

Aufgeben gab es nicht

Das Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Wie ein Mensch, der immer einen starken Lebenswillen hatte, trotz aller widrigen Umstände. Der in letzten Jahren mehrmals dem Tod – im wahrsten Sinne des Wortes – von der Schippe gesprungen ist. Nie öffentlich gejammert hat, sondern nach vorne geblickt hat, nun lag er da mit gebrochenem Willen und darauf wartend, dass es vorbei ist. Es mag makaber klingen, Gott sei Dank dauerte es nicht so lange.

Was bleibt, wenn Menschen sterben? Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, Erzählungen und Geschichten. Gute und schlechte. Zum Glück kann das Gedächtnis die positiven Erinnerungen – wenn sie vorhanden sind – präsenter abspeichern als die negativen. Vielleicht ist es die Art des Körpers mit Leid umzugehen. Es ist da, wird aber überlagert von Dingen, an die man sich gerne und mit Freude erinnert.

Pfarrer mit Zuversicht

Die Traueransprache in der Friedhofskapelle beendete der Pfarrer mit voller Überzeugung damit, dass es keine Rolle spiele wie religiös man geprägt sei und an was man glaube, denn dem Verstorbenen gehe es nun besser!

Wie hart und schwer der Abschied auch fällt, diese Aussage lindert ein wenig das Leid, weil ein Funken Hoffnung wieder da ist.


mein schöner Blog

10. Dezember 2014, claudia - Mannablog

Quelle: mariamarinb, CC0 Public Domain, Pixabay

Heute Nachmittag habe ich zwei Versionen eines Blogs über das Thema Tod geschrieben. Doch selbst bei der zweiten Version blieb der Text einfach sperrig. Er wollte einfach nicht zu einem verständlichen Blog werden.

Nun habe ich Alex nach seiner Meinung gefragt. Er stellte mir, nach seinem hören, die Gegenfrage: Was willst du damit erreichen? Meine Antwort war: Erzählen das man keine Angst vor dem Tod haben muß. Es gibt so viele Menschen die davor große Angst haben und alles mögliche tun, damit sie weg geht. Dabei müssen sie doch keine Angst haben. 

Aber wie erkläre ich das in einfachen Worten? Diese Antwort habe ich noch nicht. 


Ein Leben wie ein Urlaub?

01. Juli 2014, Mannablog

Bestimmt kennst du diese stolzen Posts in den sozialen Netzwerken: „Aah, Urlaub! Der Himmel auf Erden, endlich!“ Und dazu dann ein filterbelastetes Instagramfoto.

In mir steigt dann manchmal eine gewisse Sehnsucht auf, es den Leute gleich zu tun. Ist ja auch schon längst bestätigt, dass Facebook depressiv und eifersüchtig macht, blabla. Diese Gefühle vergehen bei mir aber relativ schnell wieder, wenn es ein paar Tage später heißt: „Heute geht’s wieder nach Hause, ich will nicht!! Es war einfach sooo schön hier.“ Dann noch das obligatorische Schmollmundselfie und diverse weinende Smileys geben den Rest.

Urlaube kommt und gehen. Ich habe diese Woche den Spruch „Choose quality over quantity“ gelesen. Weise Worte und ich kann dem eigentlich zustimmen. Etwas richtig gut zu machen statt durch 100 Dinge zu hetzen, klingt plausibel. Ist aber auch in einem vollen Alltag nicht so leicht umsetzbar. Ich kriege zur Zeit auch immer mehr die Folgen von Bachelor- und Masterumstellung zu spüren. Studieren mit allem drum und dran kann richtig viel Zeit beanspruchen, zumal man so viel mehr Rollen ausfüllt als nur die des Studierenden.

Ich glaube, deshalb wollen Menschen sich diese „Aus“-Zeiten gönnen. Wo das Rennen hinter der To-Do-Liste mal aufhört (oder wer jagt hier eigentlich wen?) und man Qualität (er-)lebt. Aber sollten wir, so gut Urlaub auch tut, nicht dennoch jeder für sich mal hinterfragen, was Qualität des Lebens wirklich bedeutet? Ist das Qualität, wenn ich krampfhaft nach dem besten Urlaubsangebot suche und meine Begleitung anmotze, weil wir fast unser wasauchimmer verpassen? Ist das Qualität, eine Beziehung schleifen zu lassen, von wegen „Nein, Schatz. Essen gehen ist nicht drin – wir wollen doch in den Urlaub fahren!“

Klar, hier ist die Grenze zur Geduldslosigkeit leicht überschritten. In einigen Aspekten ist es gut, warten zu lernen und geduldig zu sein, nicht alles zu bekommen, was man meint zu brauchen. Aber das Extrem, nur auf die Höhepunkte im Monat, im Jahr zuzuleben beobachte ich doch auch!

Dabei muss Arbeit und Alltag ja nicht immer total spaßig sein, aber zumindest einem Zweck dienen, Sinn vermitteln. Uns so einteilbar sein, dass ich immer wieder Inseln finde, auf denen eine Pause möglich ist – wo ich Mensch bin, mit allen seinen Bedürfnissen und Funktionen außerhalb von Arbeit und Pflichten.

Man muss sich mal vorstellen, wie jeder Mensch so vor sich hin ackert, sich und seine Aufgaben wahrscheinlich oft zu wichtig und zu ernst nimmt und am Ende seines Lebens zerrieseln er und sein Werk zu Erde – wenn es gut lief, hat seine Arbeit etwas mehr bewirkt als mit seinem Tod zu enden.

Wenn ich mir vorstelle, dass da mal mein himmlischer Vater vor mir stehen wird und mit mir mein Leben anschaut – glaube ich wirklich, ihn beeindruckt es, wenn ich unter Dauerstress stand, alles erledigt habe und meinte, alles überblicken zu müssen?

Vielleicht reicht es manchmal, in den Dingen, in denen das möglich ist, nur für heute zu denken und zu planen. Heute zu leben, so wie sich das wahrscheinlich jeder schon oft vorgenommen hat. „Deshalb sorgt euch nicht um morgen - der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Lasten hat.“ Matthäus 6,34

Was mir sonst so eingefallen ist:

- Musik, Menschen und Natur erleben.

- Mehr auf das 'wie' als auf das 'was' achten. Hat die Qualität von Leben am Ende nicht auch damit zu tun, 'wie' ich in der anstrengenden Zeit mit xy umgegangen bin und mit welchem Motiv ich diese Aufgabe xy freiwillig übernommen habe? Ja, warum tu ich eigentlich, was ich tu?

- Die Sabbathruhe suchen und finden. Sich zum Beispiel den Sonntag wirklich frei nehmen und Frieden und Ruhe (oder vielleicht brauchst du als Ausgleich ja gerade mal etwas Action, um den Kopf frei zu kriegen?) an Gottes Herz finden.

„Meinen Frieden gebe ich euch; einen Frieden, den euch niemand auf der Welt geben kann.“ Johannes 14,27

- Viel Wasser oder Tee trinken, schlafen.

- Aufgaben der Woche aufschreiben, wegstreichen – Erfolge visualisieren.

- Auch mal gute Dinge streichen, wenn sie so sehr zur Routine geworden sind, dass sie nur Zeit stehlen. Ein Hobby ist schön und gut, wenn es auch wirklich ein Ausgleich zur Arbeit ist und man wirklich dahinter steht. Wenn man immer auf die Uhr schauen muss bzw. nach dem Kino die halbe Nacht nacharbeitet, ist das auch blöd. Sich bewusst dafür entscheiden.

- Die Qualitätselemente des persönlichen Lebens in den Alltag integrieren. Platz schaffen. Ich habe mir jetzt zum Beispiel eine separate Kreativecke gebaut, eine andere als mein Schreibtisch, wo ich sonst arbeite.

Setzen wir unsere Erwartung letztlich nicht genau damit unter Druck und besonders hoch an, dass wir oft auf der Suche nach „Glück“ sind? „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ Psalm 73,28 Das war die Jahreslosung von 2013. Vielleicht gilt sie ja auch heute, sogar für dich und mich.


Mit Jubel in die Hölle

17. April 2014, claudia - Mannablog

Was war vor 100 Jahren? Wir alle waren nicht dabei und doch haben die Veränderungen die in diesem Jahr begannen unsere Gesellschaft bis heute verändert.

Eine Dokumentation des ZDF erinnerte mich an meinen Schulunterricht. Im Unterricht waren es nur Zahlen, Daten und Fakten die zu lernen waren. In "Mit Jubel in die Hölle" wurde aus dem Geschichtswissen leben.

In einer Dokumentation zum Beginn des 1. Weltkrieges wurde nicht das große Panorama dargestellt. Drei junge Männer im Krieg, in Tagebüchern festgehalten bilden die Basis.

Viele begrüßten 1914 den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Kaum einer ahnte, wie mörderisch er wirklich werden würde und dass er das Ende des alten Europa bedeutete. 

Neben Spielfilmsequenzen sind es kolorierte historische Aufnahmen die die Dokumentation lebendig machen.

Ich denke an den Jubel mit denen viele Mensche heute noch bereit sind für die Sache anderer zu sterben. Was würde passieren, wenn die vielen digitalen Kriegsspiele real verletzen und töten würden?

Der Film "Mit Jubel in die Hölle" befindet in der Mediathek vom ZDF. Im Presseportal des ZDF ist noch mehr zum Film und den Hintergründen zu finden. Dort habe ich auch folgende Auszüge aus Briefen und Tagebüchern gefunden:

Aus Briefen und Tagebuch von Kurt Hopffer, Offizier (2. Februar 1892, Bamberg - 2. Juni 1916, vor Verdun):
Brief von der Somme an die Eltern, 2. Oktober 1914:
"Meine Rekruten, meine Aspiranten riefen mir unter Handwinken begeistert 'Hurra' zu, als wir durch den Wald in die Höhe hinaufstürmten. Meine Leute, die ich erzogen habe, die ich zu Soldaten gemacht habe, durfte ich mit gezogenem Säbel, der das Wappen der Hopffer trägt, mit dem Eisernen Kreuz auf der Brust unter Hurra in die feindliche Stellung führen, als ich die Hände zum Vaterunser faltete. Ich schreibe das nicht um mich zu brüsten – nein bei weitem nicht – aber euch sage ich es, weil es der schönste Moment meines Lebens war, weil ich mich in diesem Moment selbst bezwang, für Deutschlands Ruhm und Größe." 


Aus dem Tagebuch von Karl Rosner, Jurist (18. Februar 1885, Neustadt an der Waldnaab/Oberpfalz – 21. Februar 1985, München)

9. Juni 1916, vor Verdun:
"Die Leute, die gefallen sind, waren liebe Freunde. Man hat in fremden Landen Leid und Freut mit ihnen geteilt und man empfindet ihren Tod fast wie das Ableben naher Verwandter. 
Wen mag dereinst die richtende Geschichte für das nutzlose Blutbad von Verdun verantwortlich machen? "

Aus dem Tagebuch von Käthe Kollwitz*, Künstlerin (1867 Königsberg - 1945 Moritzburg)

Berlin, 11. Oktober 1916:
Nie wird mir das alles klar werden. Wahr ist nur, dass die Jungen, unser Peter, vor zwei Jahren mit Frömmigkeit in den Krieg gingen. Und dass sie es wahrmachten, für Deutschland sterben zu wollen. Sie starben – fast alle. Starben für Deutschland und bei Deutschlands Feinden, Millionen. 
Ist es treulos gegen Dich – Peter – dass ich nur noch den Wahnsinn sehen kann im Kriege?


Alles was bleibt

17. November 2013, marcus - Mannablog

Grabsteine am Friedhof. Bild: Wikipedia Commons.
Grabsteine am Friedhof. Bild: Wikipedia Commons.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist alles was bleibt die Erinnerung.

Der Tod ist erfahrungsgemäß eine unvermeidbare Sache. Wissenschaftlich gesehen, weiß man nicht einmal so genau, warum nach einer bestimmten Lebenszeit die Zellen eines Menschen sich einfach nicht mehr regenerieren wollen.

Unnatürlich

Betrachtet man eine Zelle, so hat sie die Fähigkeit sich zu teilen, was wieder zu zwei neuen Zellen führt. Das geht immer so weiter und schließlich entstehen die "höheren" Lebewesen auf diesem Weg. Beim Menschen dauert das immerhin 9 Monate. Das ganze Leben lang erneuern sich die Zellen des Menschen ständig und etwa alle sieben Jahre, so sagt man, haben sich die Zellen komplett ausgetauscht. Man ist also dann ein "neuer" Mensch. Die Ausnahme dürften wohl Nervenzellen spielen, diese leben um einiges länger. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund findet dieser natürliche Prozess irgendwann ein Ende bzw. hört langsam und schleichend auf.

Akzeptiert

Diese Tatsache führt dazu, dass etwas passiert, was wir Tod nennen. Ein unwiderrufliches Ereignis, bei der uns ein lieb gewonnener Mensch einfach weggenommen wird. Manchmal geschieht das langsam durch eine zehrende Krankheit, manchmal passiert es plötzlich durch ein Ereignis oder den sogenannten "natürlichen" Tod. Die Folgen sind tragisch, es entsteht ein Loch, eine Lücke, der Mensch fehlt. Die Tränen auf jeder Beerdigung bezeugen, dass der Tod alles andere als eine normale Sache ist. Auch wenn uns der Spruch "Der Tod gehört zum Leben" gut bekannt ist, scheint sich unser Innerstes gegen diesen Blödsinn zu wehren. Leben ist Leben und Tod ist Tod und beides könnte in unserer Gedankenwelt nicht weiter voneinander entfernt sein. Wir akzeptieren den Tod, weil wir keine andere Wahl haben. Aber das ist auch schon alles.

Erinnerung

Irgendwie geht es dann doch weiter, das Leben. Wir trauern, weinen, verarbeiten und verdrängen. Die meisten von uns schaffen es irgendwie, die Trauer zu überwinden und zu einem normalen Leben zurückzufinden. Doch ganz wie vorher wird es nie. Jeder Mensch hinterlässt eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann. Was uns bleibt ist, mit dieser Lücke umzugehen und die guten Erinnerungen mit unseren Lieben im Herzen zu tragen.

Hoffnung

Wenn wir ganz mutig sind, dann haben wir so etwas wie Hoffnung. Ich rede jetzt allerdings nicht davon, dass es "schon irgendwie" weitergehen wird. Ohne diese Hoffnung, das es weitergehen wird, gibt es ohnehin kein Weiterleben mehr. 
Die Hoffnung, die ich meine, geht weiter und reicht wieder zurück, ganz an den Anfang, an den Ursprung des Lebens. Derjenige, der uns gemacht und ins Leben gerufen hat, gibt sich nicht damit zufrieden, dass es "schon irgendwie" weitergehen wird. Für Gott ist der Tod der schlimmste Feind, denn er trennt. Deshalb hat er einen Weg geschaffen, der uns aus dem Dilemma herausholen kann, und er nennt ihn Jesus. Jesus bedeutet "der Retter". Wenn wir über ihn in der Bibel lesen, können wir erkennen, dass Gott es gut mit uns meint. 

Alles, was bleibt, ist die Erinnerung und die Hoffnung, dass wir geliebte Menschen doch einmal wiedersehen können. Ich wünsche jedem, der einen geliebten Menschen verloren hat, viel Kraft und Hoffnung. Richtige Hoffnung.


„gackern – schnattern – mäh“

04. Juli 2013, Mannablog

Am Freitag habe ich die Aufgabe abonnierte Zeitschriften auszutragen. Die Hefte werden in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in einer Kiste vor unser Haus gelegt. Ich bin dann erst einmal damit beschäftigt, jedes Heft, jede Zeitung mit dem jeweiligen Adressaufkleber zu versehen und gleich richtig zu sortieren, so wie mein Weg verläuft. Die Wetterlage war nicht so schön. Es war kalt und nebelig. Mit Schal, Winterjacke und Handschuhen radelte ich auf meinem vollgepackten Rad los. Erst in die Rother Straße, dann Denkmalstraße, Raiffeisenstraße, Luitpoldstraße, Ansbacher Straße. „Ach, was ist denn da?“, dachte ich. Ich liebe diese kleine Seitenstraße. Hier gackern die Hühner und schnattern die Gänse. Das erlebe ich jede Woche und jedes Mal gefällt es mir. Doch heute hörte ich noch ein „mäh“. Das war neu: ein Schäfchen schaute mich an. Ich freute mich! Bei den Gänsen denke ich an Weihnachten, die dem Schaf an Ostern. Weihnachten ist Jesus geboren, Ostern ist er gestorben und wieder auferstanden

„Jesus wurde in der Stadt Betlehem in Judäa geboren, als König Herodes in Jerusalem regierte.“ (Matthäus 2,1)

„Jetzt ist alles vollendet. Dann neigte er den Kopf und starb.“ (Johannes 19,30)

„Gott hat ihn vom Tod erweckt.“ (Matthäus 28,7)

sw


Keine Zeit für den Tod

20. Dezember 2012, Mannablog

Ich weiß nicht, ob sich noch einige der Manna-Leser an meinen Beitrag vom Sommer erinnern können, wo ich meinen Opa das letzte Mal besucht habe. Er hatte sich mit den Worten "Das war wirklich ein Seelenbad!" bei uns verabschiedet. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, ich hatte noch vorgehabt ihm zu Weihnachten zumindest eine Karte ins Heim zu schicken.

Dazu komme ich jetzt nicht mehr. Ich war gestern noch auf dem Weihnachtsmarkt der Stadt, in der er liegt, habe mich mit Freunden getroffen und kurz von ihm erzählt. Am Tag davor hat mir mein Vati gesagt, dass Opa nicht ansprechbar ist und ich doch bitte für ihn beten sollte. Mir aber keine Sorgen machen soll. Nur beten.

Jetzt ist er tot. Ich habe gestern Abend eine Mail bekommen, dass er nicht mehr lebt - mal abgesehen von diesem Medium - war das wirklich nicht leicht zu verkraften. Wir hatten nicht die größte Beziehung, kannten uns an sich gar nicht so sehr. Aber er hat immerhin meine Kindheit mitverfolgt und wir waren erstaunt, wie wach er im Sommer noch im Denken und Reden war.

Das Schlimmste war für mich aber der Fakt, dass ich mich nicht mehr darum gekümmert habe, intensiv für ihn zu beten. Er kannte Jesus noch nicht. Ich weiß, Gott braucht mich im Prinzip nicht, aber meine Prioritäten hätte ich trotzdem anders setzen sollen. Ich kann jetzt nur vertrauen und hoffen, dass unser Vater im Himmel in der Zeit der Nichtansprechbarkeit zu meinem Opa gesprochen hat, dass er noch eine Chance hatte.

Gott ist so gut - er gibt uns auch noch kurz vor Ende die Chance zu ihm umzukehren. Wie gut ist es eigentlich, dass ich jetzt mitkriegen durfte, dass meine Prioritäten so dumm sind, wenn ich sie mal dem Tod gegenüber stelle? Und dass so was notwendig ist, damit man überhaupt erst mal aufwacht. In der Andacht von gestern, die ich dann nachts noch im Bett gelesen habe, kam ein Spruch vor, den ich nun voll und ganz unterschreiben konnte: ?Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (aus Römer 8,28).


Ich helf dir ... gleich.

09. Dezember 2012, marcus - Mannablog

Letzten Dienstag wurde von der "New York Post" ein Foto auf der Titelseite veröffentlicht, das einen Mann zeigt, der in wenigen Sekunden von einer einfahrenden U-Bahn zerquetscht werden wird. Unter Tatverdacht steht ein 30-jähriger Obdachloser, der den 58-jährigen Familienvater Ki-Suck Han nach einem Streit auf die Gleise gestoßen haben soll. Sekunden nachdem der Fotograf der New York Post den Auslöser gedrückt hatte, endete das Leben dieses Menschen auf tragische Art und Weise.

Es sind mehrere Dinge, die mich an dieser Tragödie massiv erschrecken.

Warum stößt jemand einen anderen Menschen aufgrund eines banalen Streits vor eine einfahrende U-Bahn? Hat er keinen Respekt vor dem Leben? Hat er einfach nicht nachgedacht, also rein aus dem Moment heraus gehandelt, ohne die Konsequenzen zu bedenken? War er betrunken? Hat er - selbst wenn ihm der andere Mensch egal gewesen ist - nicht einmal an seine eigene Zukunft gedacht? Oder hat er vielleicht nichts mehr zu verlieren?

Warum gibt es niemanden, der dem Familienvater hilft? Selbst wenn sonst niemand anwesend gewesen wäre (was in einer U-Bahn Station äußerst unwahrscheinlich ist), dann hätte es immer noch den Fotografen und den Täter selbst gegeben. Warum drückt jemand lieber den Auslöser einer Kamera, anstatt die kostbaren Sekunden zu nutzen um zu helfen? Hatte er "zufällig" seine Kamera schon bereit oder musste er sie vielleicht erst noch aus einer Tasche holen?

Warum erkennt der Täter nicht, dass er krassen Mist gebaut hat und eilt seinem Opfer zu Hilfe?

Warum schockiert es uns nicht, dass ein solches Bild die Titelseite einer Tageszeitung schmückt? Sind wir es schon gewohnt, Zuschauer solcher Gewaltexzesse zu sein?

Haben wir uns schon an eine Welt gewohnt, in der 15-Jährige einen Linienrichter tot treten, weil er eine - in ihren Augen - falsche Entscheidung getroffen hat?

Ich muss mir in letzter Zeit sehr oft diese Fragen stellen. Wo in aller Welt - und vor allem wie - haben die Menschen dieser Welt ihr Herz verloren? Wo ist ihnen die Barmherzigkeit, Demut und Liebe abhanden gekommen? Wer hat ihnen das Einfühlungsvermögen, die Güte, Geduld und den Frieden geraubt?

Ich wünsche dir und mir ein Herz, dem es nie an Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung mangelt.

"Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und schenke euch ein Herz, das lebt." (Hesekiel 36:26)


Der Stachel des Todes

27. September 2012, Mannablog

Es sind so Phänomene, die der Alltag enthält und gleichzeitig ganz tiefgehende Dinge, die sich kreuzen. Mein Nagellack blättert langsam ab, die Bäume verlieren ihre Blätter. Am Sonntag noch hatte ich ein kleines Kind auf dem Schoß und war begeistert von seiner Lebendigkeit und heute sehe ich einen heruntergekommenen Mann, der seine alte Mutter im Rollstuhl umher schiebt. Immer wieder hält er an, redet auf sie ein und will sie aufwecken. Aber sie bleibt regungslos mit geschlossenen Augen sitzen. Vor einigen Wochen habe ich die beiden vor einem Eiscafé getroffen, er hat ihr eine Eistüte gebracht und sich mit ihr an dem lauen Abend recht rührselig beschäftigt. Und jetzt – ist sie tot? Ist sie womöglich vorhin still und leise von ihrem Sohn gegangen, für den sie zur Lebensaufgabe geworden war?
Diese Gedanken haben mich ziemlich verfolgt und traurig gemacht. Tod und Leben, das liegt so nah beieinander. Sobald jemand in diese Welt geboren wird, hat er schon wieder Potential, zu gehen. Tod hat doch meist diesen Beigeschmack von später Zukunft. Und seine vage Existenz im öffentlichen Gespräch und Alltag bewirkt, dass wir uns einige Ausreden einfallen lassen. Ausreden dafür, unser Leben nicht so leben zu müssen, wie wir es sollten und vielleicht auch eigentlich wollen. Zumindest noch nicht. Aber werden wir wirklich irgendwann aufwachen, wenn wir uns nach dieser Prämisse richten – wenn ich noch nicht bald von der Welt gehe, hab ich noch genug Zeit um Fehler zu machen, falsche Verhaltensweisen zu verfestigen, zu bereuen und mich dann schwungartig im perfekten Schritt in Richtung Tod zu bewegen?!
Was soll das? Der Prediger in der Bibel sagte schon, dass das Leben nur ein Hauch ist. Kaufen wir die Zeit aus, so wie es geraten wird? Es geht hier nicht darum, alles zu machen, was möglich ist. Sich abzurackern und perfekt zu werden. Nein – der Prozess ist oft schon das Ziel, das wir auf dieser Erde verfolgen können. Gott an uns ranlassen, in unseren Alltag. Nicht zu verzweifeln am bevorstehenden Tod, wann auch immer der kommen mag, und auch nicht an seinen Vorwegerscheinungen – der gestorbenen menschlichen Natur, die uns selbst und anderen das Leben manchmal so schwer macht.
Lassen wir Jesus unseren Anfang und unser Ziel sein, unabhängig von Geburt und Tod. „Tod, wo ist dein Stachel?“ 1. Korinther 15,55


Gott kümmert sich um Mensch und Katze

28. Juli 2012, gastbeitrag - Mannablog

Den meisten Menschen ist bekannt, dass sich Katzen, wenn sie Schmerzen haben, zurückziehen. Und genau das tat unsere Katze auch. Sie, die zum Fressen immer pünktlich erschien und nach der man die Uhr stellen konnte, kam nicht mehr. Alles Rufen und Suchen half nichts.

Nach Tagen kam sie miauend und abgemagert wieder heim. Wir haben sie mit ins Haus genommen und sind am nächsten Tag mit ihr zum Tierarzt gefahren. Dort bekam sie eine Aufbauspritze und weil sie sich gut erholte, gemeinsam mit uns grillte und nach Leckerli Ausschau hielt, nach zwei Tagen noch eine weitere.

Leider war es nur ein kurzes Aufatmen für Mensch und Tier, denn nach weiteren zwei Tagen verschwand unsere Katze wieder. Die Ungewissheit, ob sie noch lebt oder was sonst mit ihr geschehen ist, quälte uns sehr. Dann kam der verregnete Samstag. Mein Mann hatte den ganzen Nachmittag vor Erschöpfung geschlafen mit dem Ergebnis, dass er am Abend noch lange im Bett wach lag und las. So hat er auch gegen Mitternacht das klägliche Miauen gehört und hat unsere Katze ins Waschhaus getragen. Am Sonntag lag das Häufchen Unglück dort und ich spürte, dass sie es trotzdem genoss, dass ich sie kraulte. Sie hob sogar noch ein bisschen den Kopf zur Seite, dass ich besser an sie heran kam.

Wir konnten uns auf diese Weise noch gut von ihr verabschieden. Als wir nach dem Mittagessen wieder nach ihr sehen wollten, war sie inzwischen verstorben. Auch wenn es kein Happy End gab sind wir sehr dankbar, dass Gott unsere Gebete erhört und die Katze zu uns zurückgeführt hat. Wir wissen, dass sie verstorben ist und konnten sie mit allen Katzenehren bestatten.


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