Eines der vielen Themen, die Vanesa Pizzuto auf dem Kongress „The Sun Still Shines“ in ihrem Input erwähnt hat, war ‚Silent Treatment‘, also Schweigen als Strafe für ein bestimmtes Verhalten oder einen Fehler. Sie berichtete uns, dass viele Christen die Vorstellung haben, Gott würde mit uns in dieser Weise umgehen.
Das Erste, was Vanesa uns dazu sagte, war, dass dies eine falsche Annahme ist! Gott straft uns nie mit Schweigen. Manchmal sagt Er etwas nicht direkt, sondern ist erstmal still. Gehöre ich aber zu seiner Familie, dann äußert er sich auf die eine oder andere Weise.
Lieblosigkeit (Sünde) trennt
Vanesa hat uns als Einstieg in das Thema eine herausfordernde Aufgabe gegeben. Wir sollten Jesaja Kapitel 1 lesen und uns darüber austauschen. Ich lade dich dazu ein, das selber zuhause zu tun, und falls du niemanden hast, mit dem du darüber reden kannst, dann gehe mit Gott ins Gespräch. Als Beispiel zu dem Thema habe ich zwei Bibelverse, die unter anderem zeigen, dass Kontext wichtig ist.
Wenn ihr nun eure Hände erhebt, werde ich meine Augen von euch abwenden. Betet, so viel ihr wollt, ich werde nicht hinhören. Eure Hände sind blutbefleckt.
Jesaja 1,15 (NLB)
>>Dann lasst uns doch miteinander den Rechtsstreit führen<<, sagt der HERR. >>Selbst wenn eure Sünden scharlachrot sind, sollen sie schneeweiß werden. Eure Sünden mögen blutrot sein, doch sie sollen werden wie Wolle.<<
Jesaja 1,18 (NLB)
Wenn man nur den ersten Vers (Jes 1,15) liest, könnte man denken, dass Gott uns nicht zuhört, wenn wir Fehler gemacht haben. Dass er sich von uns abwendet. Aber genau deswegen ist Kontext wichtig! Denn nur drei Verse weiter, in Vers 18 gibt Jesaja eine wichtige zusätzliche Information: Gott reinigt uns von unseren Fehlern (Sünde). Genau deswegen ist Jesus doch gestorben; damit wir von unseren Sünden gereinigt werden können. Während unsere Fehler, unsere Lieblosigkeit uns von Gott trennen, weshalb sich Gott – ohne Reinigung – von uns abwenden würde, sorgt Jesus durch seinen Tod dafür, dass ‚unsere Hände‘ (wir) gereinigt werden, wenn wir ihn darum bitten.
Gott hält seinem Volk Israel an dieser Stelle (Jes 1,2-20) einen Spiegel vor. Er spiegelt ihnen ihre Lieblosigkeit, die sie leben. Diese zeigt sich in ihrem Verhalten einander gegenüber und auch Gott gegenüber. Es geht Gott nicht um formale Handlungen wie Gottesdienste oder Lobpreis. Er möchte, dass die Herzen seines Volkes von seiner Liebe erfüllt sind und die Handlungen das Vertrauen der Menschen zu ihm widerspiegeln. Er fordert sie auf, ihre Handlungen zu überdenken.
Gott sucht dich
Erstens ist „Schweigen als Strafe“ eine manipulative Taktik, die oft als Reaktion (und somit Strafe) auf Fehler eingesetzt wird. Wir wissen aus der Bibel, dass Gott uns nicht manipuliert – und es auch nicht mag oder duldet, – da er uns den freien Willen gegeben hat, um selber Entscheidungen zu treffen, egal ob diese gut oder schlecht für uns sind.
Zweitens ist Schweigen von Gott, vor allem in Reaktion auf unsere Fehler, in keinster Weise biblisch akkurat. Schauen wir uns zum Beispiel die Geschichte von Jakob (1. Mose 27 + 28) an, der seinem Bruder Esau sein rechtmäßiges Erbe und seinen rechtmäßigen väterlichen Segen als Erstgeborener gestohlen hatte und danach floh. Auf seiner Flucht ist ihm Gott im Traum begegnet und hat ihn gesegnet, und das, obwohl Jakob seinen Bruder betrogen hatte. Etwas Ähnliches können wir auch bei Kain sehen, der seinen Bruder aus Eifersucht getötet hat (1.Mose 4). Kurz nachdem er Abel umgebracht hatte, ging Gott auf ihn zu und fragte ihn, wo sein Bruder ist. Es gibt noch viel mehr dieser Geschichten in der Bibel, das sind also keine Ausnahmen.
Gott spricht
Gott spricht zu uns, weil er uns liebt, weil wir seine Söhne und Töchter sind… Und außerdem, Gott spricht zu allen seinen Kindern, unabhängig von deren Glaube oder Überzeugungen. Christen haben kein Monopol auf die Stimme Gottes! Erinnert ihr euch daran, dass Gott dem götzenverehrenden König Nebuchadnezzar von Babylon einen Traum gegeben hat? (eigene Übersetzung)
¡Conéctate! von Vanesa Pizzuto aktuell nur in Spanisch erhältlich
Vanesa Pizzuto schreibt in ihrem Buch davon, dass Gott zu und mit uns spricht, weil er uns liebt und nicht, weil wir uns gut verhalten. Wir können es uns nicht verdienen, dass Gott mit uns spricht oder uns Aufmerksamkeit schenkt; er schenkt uns seine Aufmerksamkeit und spricht mit uns, weil er uns bedingungslos liebt.
Gottes ist bei dir
Wenn alles, was vorher funktioniert hat, nicht mehr funktioniert und wir scheinbar alleine im Dunkeln sind, wird das oft „dark night of the soul“ (dunkle Nacht in der Seele) genannt.
Die Meisten haben eine solche Zeit schon mindestens einmal durchlebt. Gott hat uns versprochen, dass wir niemals alleine sind, wenn wir ihm vertrauen.
In manchen Momenten mag es einem zwar so vorkommen, als ob Gott schweigt oder nicht da ist, dennoch können wir auch in solchen Momenten auf Gottes Versprechen bauen.

Der ehemalige Hospizseelsorger und presbyterianische Pfarrer Adam S. McHugh schreibt in seinem Buch „The Listening Life“ davon, dass wir in Zeiten ohrenbetäubender Stille versucht sein können, uns Gott mit einem steinernen Gesichtsausdruck vorzustellen. Er schreibt jedoch auch, dass er sich in diesen Zeiten gerne vorstellt, dass Gott einfach in unserem Schmerz bei uns sitzt, still zuhört und einfach da ist.
Wir können andere und auch uns selbst täuschen. Doch Gott können wird nichts vortäuschen, er sieht hinter all unsere Mauern und erkennt unser Herz, wer wir wirklich sind. Er möchte uns helfen uns selbst und unser wahres ich kennenzulernen und nicht die Maske, die wir vor uns und anderen aufsetzen. Gott möchte einfach ein echtes Gespräch mit uns führen, ohne Scheinheiligkeit.
Wenn wir Gott gerade nicht hören können, kann dies viele Gründe haben. In der Regel hat es etwas mit uns selbst zu tun und selten mit unserem Vater, Gott. Sehr wahrscheinlich hat Gott nicht aufgehört, zu dir zu sprechen, sondern nutzt nur eine andere Art und Weise, dich auf etwas aufmerksam zu machen.