…im Klettersteig „steinerne Jäger“

Mit Klettergeschirr im Rucksack starten mein Mann und ich zur Bergtour. Nach gemächlichem Anstieg auf einem Bergpfad ein Hinweisschild: „Nur für Geübte! Ungesicherter Klettersteig!“ Ich nehme das Schild nicht ernst, denn laut meiner Karte, müsste es ein gesicherter Steig sein. Wir gehen also weiter und irgendwann beginnt der Fels. Eine erste kleine Umkletterung eines steilen Felsens – die würde ich nicht zurückwollen – zu ausgesetzt.

Immer noch in der Hoffnung, die Stahlseile werden bald kommen, steigen wir weiter. Nach der dritten Klettereinlage befürchte ich inzwischen, dass das Schild recht hat und meine Interpretation der Karte falsch war.

Umdrehen ist keine Option – nicht machbar ohne Seil. So steigen wir weiter – unser Sicherungsgeschirr für ein vorhandenes Seil im Rucksack. Es wird nicht leichter, im Gegenteil. Irgendwann eine lange Querung einer steilen Felswand, links ein paar hundert Meter Tiefblick, ein „Pfad“ im Felsen nur erahnbar, Tritte müssen gesucht werden.

So nebenbei:

Ich habe Höhenangst und trage die falschen Schuhe- keine stabilen Kletterschuhe, sie sind nur für Trekking geeignet. So versuche ich, nicht nach unten zu blicken. Plötzlich sagt mein Mann, der hinter mir geht, ich solle ihm seine Trinkflasche aus dem Rucksack holen, er habe Durst. Ich verwinde mich nach hinten und schaffe diese Aktion gerade noch. Dann fällt mein Blick die endlose Felswand hinab in die Tiefe und es ist aus. Die Panikspirale geht bergab. Ich lehne mich nach hinten an die Felswand, bin komplett bewegungs- und handlungsunfähig und die Tränen rinnen mir über’s Gesicht. Mein Mann ist hilflos. Ich habe Probleme zu realisieren, dass dies „echt“ ist und kein böser Traum.

„Lieber Gott, wenn du jetzt nicht sofort jemanden schickst, ist es aus.“

(Bisher war uns kein einziger Mensch begegnet). Genau in diesem Moment höre ich leise kraxelnde Geräusche. Zwei junge Männer kommen hinter uns hochgestiegen. „Habt ihr ein Problem? – Ja!“. Der eine von den beiden Männern ist Sportkletterer, sowie Berg- und Canyoning-Führer. Er schickt seinen Freund allein weiter und gibt ihm noch seinen leichten Rucksack mit. Mich stärkt er mit einem Müsliriegel und nimmt mir meinen Rucksack ab. Schnell hat er abgeklärt, dass ich kein technisches, sondern ein mentales Problem habe. Auch er hat kein Sicherungsseil, im wahrsten Sinne des Wortes, bei sich. Aber er gibt mir anders die Sicherheit, die ich brauche. Er steigt vorweg, und wenn ich keinen Griff oder Tritt finde, gibt er mir Tipps. Jedoch muss ich dieses Angebot nur einmal in Anspruch nehmen. Mit Humor lenkt er mich ab und hat auch schnell herausgefunden, über was ich gerne rede – mein Saxophonspiel. So steige ich fröhlich plaudernd zwei Stunden hinter ihm den Felsen hoch. Als ich nach seinem Namen fragte, sagte er lachend, er sei der „Erzengel Michael“ und sie hätten nach dem Ausschlafen und Aufwachen keinen Plan gehabt, was sie tun sollten, und seien dann ihrer spontanen Eingebung gefolgt.

Oben angekommen, will er seinen Freund suchen und verabschiedet sich von uns.

Die Hütte ist gut besucht – von Aufsteigern über den normalen Weg, der später unser Abstieg wird. Ich suche unseren „Retter“ noch, um ihm ein Bier zu spendieren, doch er war verschwunden, unauffindbar.

Gott – mein Retter in der Not

Autor: Jutta

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