Manna

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Abschied nehmen und was bleibt dann?

19. März 2019, holger -

Zwei Menschen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis sind in diesem Monat verstorben und wurden am gleichen Tag beerdigt. Fast zur gleichen Uhrzeit, nur an unterschiedlichen Orten, so dass ich mich für eine Beerdigung entscheiden musste. Keine einfache Entscheidung, wem man da die letzte Ehre geben soll. 

Vorweg: beide Menschen waren im Rentenalter, haben jeweils eine längere Leidens- und Krankengeschichte hinter sich und trotzdem trennten beide Personen ganze zwei Generationen voneinander.

Meine Entscheidung beruhte auf dem intensiveren Kontakt in den letzten Jahren und trotzdem kannte ich von den Trauernden auf dem Friedhof fast niemanden. Ein paar Gesichter hatte ich kurz vorher im Krankenhaus das erst mal gesehen, als sich der Krankheitszustand noch einmal so deutlicher verschlechtert hatte und so dass es eigentlich keine Hoffnung auf Heilung mehr gab.

Aufgeben gab es nicht

Das Bild geht mir nicht aus dem Kopf. Wie ein Mensch, der immer einen starken Lebenswillen hatte, trotz aller widrigen Umstände. Der in letzten Jahren mehrmals dem Tod – im wahrsten Sinne des Wortes – von der Schippe gesprungen ist. Nie öffentlich gejammert hat, sondern nach vorne geblickt hat, nun lag er da mit gebrochenem Willen und darauf wartend, dass es vorbei ist. Es mag makaber klingen, Gott sei Dank dauerte es nicht so lange.

Was bleibt, wenn Menschen sterben? Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, Erzählungen und Geschichten. Gute und schlechte. Zum Glück kann das Gedächtnis die positiven Erinnerungen – wenn sie vorhanden sind – präsenter abspeichern als die negativen. Vielleicht ist es die Art des Körpers mit Leid umzugehen. Es ist da, wird aber überlagert von Dingen, an die man sich gerne und mit Freude erinnert.

Pfarrer mit Zuversicht

Die Traueransprache in der Friedhofskapelle beendete der Pfarrer mit voller Überzeugung damit, dass es keine Rolle spiele wie religiös man geprägt sei und an was man glaube, denn dem Verstorbenen gehe es nun besser!

Wie hart und schwer der Abschied auch fällt, diese Aussage lindert ein wenig das Leid, weil ein Funken Hoffnung wieder da ist.


Bahnhofsfreude

26. April 2013, Mannablog

Das heutige Bild drückt Wiedersehensfreude aus. Ich persönlich bin nicht so ein Mensch, der seine Freude total nach außen zeigt und das tut mir wiederum für meine Gegenüber fast etwas leid. Aber umso lieber beobachte ich, wie Bahnhöfe zu Oasen für Menschen werden, die von Begegnung zu Abschied zum Wiedersehen leben. Menschen, die emotionslos im Zug saßen, lachen und ihre Augen strahlen, wenn sie die erwarteten Personen sehen.

Mein Freund und ich hatten vor einigen Tagen ein Fotoshooting zum Thema 'Fernbeziehung' für eine Zeitschrift. (Noch) haben wir zwar keine, aber allein der Gedanke daran ist ziemlich ungewohnt und nicht leicht.

Mein Respekt gilt den Menschen, die ihre Lieben immer wieder gehen lassen, damit diese auch ihre eigenen Träume und Verantwortungen verwirklichen können. Paare zum Beispiel, die sich vermissen und die hohen Telefonkosten und viele Stunden Fahrt in Kauf nehmen. Nur, um für den anderen da zu sein und ihn wiederzusehen und sich mit ihm austauschen zu können.

Aus der Nähe betrachtet man sich manchmal gegenseitig nur flüchtig, vielleicht erscheinen die Fehler des anderen in Großaufnahme nicht so vorteilhaft. Aber aus der Ferne betrachtet kann man wieder den ganzen Menschen sehen. Erkennen, was ihn antreibt und ausmacht, wer er ist – ohne seinen Partner, ohne seine Eltern, ohne seinen besten Kumpel.

Ich habe Freunde, die ich sehr selten sehe und trotzdem fühle ich mich immer wieder so schnell zu Hause und wohl, wenn ich sie treffe. Sie lassen mich stehen und lassen mich auch gehen. Sie lassen zu, dass ich mich verändere. Mein Bruder war früher für mich als pubertierende Jugendliche klein und nervig. Inzwischen freue ich mich richtig darauf, ihn wiederzusehen und mit ihm zu reden.

Und wie sieht das aus, wenn der Alltag doch mal wieder – zusammen mit den Fernstehenden – einkehrt? Wir sollten nicht vergessen, mal wieder den Fernblick einzuschalten. Auch nicht den Fernblick auf Gott, unseren Vater, auf dessen „Wieder“sehen in der wohl größten Fernbeziehung wir uns unendlich freuen dürfen. Sagst du ihm das bis dahin auch?


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