Es klingelt an der Tür …

Ich überlege mir, ob ich richtig gehandelt habe? Gestern hat es an unserer Haustür geklingelt. Wir haben zwar eine Sprechanlage mit Kamera, denn man kann in der heutigen Zeit nicht vorsichtig genug sein. Aber in diesem Moment rechnete ich fest damit, dass die Nachbarin kommt, denn wir hatten uns zum „Geburtstag-Kaffee-Klatsch-meiner-Tochter“ verabredet, so schaltete ich das Gerät nicht an. Ich machte also fröhlich die Tür auf, aber siehe da, keine Nachbarin, auch kein bekannter Postbote oder Päckchenlieferant, sondern ein kleiner alter Mann, gekleidet in einer schmuddeligen Jacke und einem Hut. Er lächelte etwas und streckte mir seinen Ausweis und einen Zettel entgegen.

Ein Bettler an der Tür und jetzt?

Da ich vor einiger Zeit schon mal auf so einen Menschen hereingefallen war, bin ich vorsichtig geworden. Er kommt aus Russland und hat alles was er hatte verloren. Da wir in einem guten Sozialstaat wohnen weiß ich, dass Menschen versorgt und ihnen eine Unterkunft geboten werden. Ich dachte, der Mann möchte Geld haben. Nein, Geld gebe ich nicht, denn was macht er mit dem Geld? Alkohol kaufen um seinen Kummer zu vergessen? Vielleicht Zigaretten? Ich war total unsicher. Was geht in so einem Menschen vor, der an Haustüren klingelt um Ansprache zu bekommen. Ja, vielleicht wollte er nur ein bisschen unterhalten werden um den Tag sinnvoll zu gestallten. Ich wusste es nicht. Als ich dann zu verstehen gab, dass er nichts von mir bekommt, deutete er auf seinen Mund und gab mir zu verstehen, dass er Hunger habe. „Sie haben Hunger?“ fragte ich. Er nickte. Ich machte die Tür zu, lies den Mann kurz draußen stehen und ging in die Küche. Was packe ich jetzt ein? Der Kuchen und die Plätzchen standen bereits auf einem schön gedeckten Tisch. Ich nahm eine Vespertüte und packte einige Plätzchen ein. Die gab ich dann dem hungrigen Mann. Er freute sich und verabschiedete sich.

„Sie schrien zum Herrn in ihrer Not, der rettete sie aus der Todesangst. Er brachte sie auf den richtigen Weg und ließ sie zu menschlichen Siedlungen finden. Nun sollen sie den Herrn für seine Güte danken, ihn preisen für ihre wunderbare Rettung! Er hat den Verdursteten zu trinken gegeben und den Hungernden reiche Nahrung verschafft.“ (Psalm 107, 7 – 9)

Ich habe dem Mann keine reiche Nahrung verschafft, aber einen kleinen Leckerbissen. Als er dann weg war, dachte ich, dass ich ihm ja noch Banane und Apfel hätte geben können. Und eine Flasche Wasser wäre sicherlich auch gut bei ihm angekommen.

Das nächste Mal mache ich es besser!

SW

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